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Réjean Ducharme



"Réjean Ducharme, pour la vie."
J.M.G. le Clézio in seiner Dankesrede zum Literaturnobelpreis 2008

Geboren am 12. August 1941 in Saint-Felix-de-Valois, Québec, Kanada. Sein erster Roman "Von Verschlungenen verschlungen" [L'avalée des avalés] erschien 1966 bei Gallimard und wurde für den Prix Goncourt nominiert. Seit dem Erfolg des Romans lebt Ducharme von der Öffentlichkeit zurückgezogen in Montreal. Er hat Romane, Dramen, Drehbücher sowie Liedtexte geschrieben, die in mehrere Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet worden sind. Sein Werk gilt bis heute als beispiellos in der frankokanadischen Literaturlandschaft.
Unter dem Pseudonym Roch Plante ist Ducharme auch als Künstler tätig.


Und so präsentiert sich Réjean Ducharme selbst (abgedruckt in der Erstausgabe 1966):
Ich bin nur einmal geboren. Dies fand in Saint-Félix-de-Valois, in der Provinz Québec statt. Das nächste Mal, wenn ich sterbe, wird es das erste Mal sein. Ich will vertikal sterben, mit dem Kopf nach unten den Füßen nach oben.

Ich verließ die Schule immer als erster. Ich ging nicht oft hin, und ich blieb so kurz wie möglich. Ich habe die Mittelschule in Joliette abgeschlossen, bei den Geistlichen von Saint-Viateur.

Ich habe sechs Monate an der École Polytechnique von Montreal gelitten. Endlich erlöst, habe ich mich für einen Büroangestellten gehalten und halte mich noch heute für einen. Aber die, die Büroangestellte anstellen, wollen mich nicht für einen Büroangestellten halten. Ich arbeite nicht immer und nicht immer als Büroangestellter. Alle zwei Monate bin ich arbeitslos.

Ich war mit der kanadischen Luftwehr in der Arktis, das war 1962. Niemand will mir glauben. Ich weiss nicht warum. Ich sage: "Ich war in der Arktis." Sie antworten: "Das ist nicht wahr." 1963, 1964 und 1965 habe ich in Kanada, in den USA und in Mexiko Autostopp gemacht. Das ist ermüdend.

Ich bin vierundzwanzig Jahre alt. Ich habe nicht mehr alle meine Haare und nicht mehr alle meine Zähne. Und das entmutigt mich. Ich habe noch kein einziges Mal geheiratet. Die Frauen wollen mich nicht heiraten. Wenn sie es gewollt hätten, hätte ich jeden Tag geheiratet, und heute hätte ich ungefähr 5'768 Kinder. Wenn es keine Kinder gäbe auf der Welt, gäbe es nichts Schönes.

R.D.


Portrait über Réjean Ducharme. Anlässlich seines 70. Geburtstages [Téléjournal Radio Canada, 2011]





Ausführliche Bibliographie von und über Réjean Ducharme
(frz., Quelle: Québec en toutes lettres, Festival littéraire 2011, PDF)


Romane
L'avalée des avalés, Gallimard, Paris 1966
Le nez qui voque, Gallimard, Paris 1967
L'océantume, Gallimard, Paris 1968
La fille de Christoph Colombe, Gallimard, Paris 1969
L'hiver de force, Gallimard, Paris 1973
Les enfantômes, Gallimard, Paris 1976
Dévadé, Gallimard, Paris 1990
Va savoir, Gallimard, Paris 1994
Gros mots, Gallimard, Paris 1999

Preise
1967 Prix du Gouverneur général für L’avalée des avalés, und Nomination für den Prix Goncourt
1967 Prix littéraire de la Province de Québec für Le nez qui voque
1973 Prix du Gouverneur général
1974 Prix Canada-communauté francophone de Belgique für L’hiver de force
1976 Prix France-Canada für Les enfantômes
1980 Prix Génies du meilleur scénario original für Les bons débarras
1982 Prix du Gouverneur général für Ha ha!...
1983 Grand prix du Journal de Montréal für Ha ha!...
1990 Prix Gilles-Corbeil für das Gesamtwerk
1991 Prix Alexandre-Vialatte (Frankreich) für Dévadé
1994 Prix Athanase-David für das Gesamtwerk
1999 Grand prix national des lettres (Frankreich) für das Gesamtwerk
2000 Officier de l’Ordre national du Québec

Dramen
Le Cid maghané, 1968
Le marquis qui perdit, 1969
Ines Perée et Inat Tendu, 1966
Ha ha!..., 1977

Drehbücher
Les bons débarras, 1978. Regie: Francis Mankiewicz
Les beaux souvenirs, 1981. Regie: Francis Mankiewicz
(Comme tu dis, 1978?), nicht realisiert
(Le bonheur des autres, 1988), nicht realisiert
(Violette à bicyclette, ?), nicht realisiert

Liedtexte für Robert Charlebois, Pauline Julien

Kunstbuch Roch Plante: Trophoux. Ausstellungskatalog, Lanctôt éditeur, Outrement 2004